Filmdreh an der Steinschule – Inklusion, Medienerziehung und Integration in einem Rutsch

Früh am Morgen traf sich die Klasse 8b der Freiherr-vom-Steinschule zum Filmdreh im Cafe Charlottenburg, der gifhorner Innenstadt und im Eiscafe „Dolomiti“. Die 22 Schülerinnen und Schüler waren nun gefordert, denn alles, was sie in den Wochen zuvor akribisch im Deutschunterricht vorbereitet hatten, sollte umgesetzt werden.

Filmteam „8B“ vor ihrem Drehort, dem umgenannten „8B-Cafe“ (besser bekannt als Speicherhof oder Cafe Charlottenburg)

„Uns war besonders wichtig, dass die Schüler quasi an allen Teilen der Filmproduktion beteiligt waren und sich so jeder einbringen konnte“, so Klassenlehrerin Mirijam Wrasmann. Das Besondere dabei: In der Klasse gibt es fünf Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf und  fünf geflüchtete Kinder aus Syrien und Afghanistan. So entwickelten die Kinder gemeinsam das Drehbuch, festigten ihr Deutsch, übten in Rollenspielen ihren Teil der Schauspielerei ein und übten sich im deutlichen Sprechen. Andere gestalteten liebevoll die passenden Filmrequisiten, sorgten für Verpflegung am Filmset, setzten sich mit der Kamera-,  Licht- und Tontechnik auseinander oder halfen als Statisten aus. Felix (15) hat trotz eigener Erfahrungen auf der beliebten Videoplattform Youtube großen  Respekt. „Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Arbeit ist, einen kleinen Film zu drehen“, gibt er anerkennend zu.

Kameramann Felix nimmt Maß – das Bild steht, 3-2-1 und Aufnahme.

Dass alle Schüler eine Aufgabe erhielten, gehörte genau so zur Projektidee, wie die Tatsache, dass das Thema des Films passend zur Altersgruppe der 14 bis 15jährigen gewählt wurde. „Jugendliche kommunizieren in der heutigen Zeit wie selbstverständlich mit mobilen Endgeräten und bewegen sich frei in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram.

Das stadtbekannte Eiscafe Dolomiti hatten sich die Schüler auch als Drehort ausgesucht. 2 Kugeln Eis gab es gratis. Zeit zum Essen hatte leider niemand……. 😉

Dass man sich aber Gedanken darüber machen muss, was man wo und wie tut, ist vielen nicht bewusst“, resümiert Förderschulkraft Anja Hoffmann. Sivala Biquiri (14), die die Hauptrolle im Film spielt, ist begeistert und erschlagen zugleich. „Es macht riesigen Spaß, aber  es ist schwer. Manchmal muss ich traurig sein und 5 Minuten später fröhlich“.

So geht es los, ein harmloser „Selfi“ mit dem Handy….

Zur Filmgeschichte: Sivala geht beim Veröffentlichen eines „Selfies“ mit ihren persönlichen Daten zu sorglos um. Zwei Jungen nutzen das aus, hacken sich in ihr persönliches Profil, stellen dort veränderte Fotos ein. Im weiteren Verlauf verliert das Mädchen infolgedessen den ihr mündlich zugesagten Ausbildungsplatz. „Nicht nur unsere Jugendlichen tummeln sich im Netz. Auch Firmeninhaber informieren sich dort über ihre zukünftigen Auszubildenden. Dass man hier aufpassen muss, wird in diesem beispielhaften Medienprojekt und vor allem im Film deutlich“, freut sich Schulleiter Dr. Detlef Eichner. Kompetente technische und pädagogische Unterstützung erhielt die Klasse über die medienpädagogische Beratung des Landkreises und über das gifhorner Kreismedienzentrum.

Bei Frau Jäger von der Polizeiinspektion Gifhorn erhalten die Mädchen Hilfe…..

Liane Jäger, zuständig für die Jugendpräventionsarbeit bei der Polizeiinspektion Gifhorn, kennt derlei Fälle aus dem Alltagsgeschäft und spielt im Film die Anlaufstelle der ratlosen Mädchen. „Die Rolle im Film spiele ich täglich und  ich war entsprechend gern bereit hier mit zu arbeiten“, so die Kriminalhauptkommissarin.

Einmal nicht nachgedacht und schon war der Ausbildungsplatz futsch…….

Nun sichten die Lehrkräfte die Aufnahmen und erarbeiten mit ihren Schülern einen „roten Faden“, um den Film fertig zu stellen. Das fertige Produkt wird beim niedersachsenweiten Kurzfilmwettbewerb „Aller-Ise Filmklappe“ eingereicht. Mit etwas Glück gewinnen die Gifhorner und erhalten die verdiente Anerkennung für ihr Medienprojekt.